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Regierung plante Verkürzung von Laufzeiten für Autokredite

Veröffentlicht am 25. März 2008 - 17:35h unter Blogarchiv 2005-2012

So richtig genau wusste eigentlich niemand etwas, und verstehen tat es erst recht keiner. Aber trotzdem schwebte mehrere Tage die Verkürzung der Laufzeiten von Neuwagen – Finanzierungen in Brasilien im Raum. Denn die Regierung diskutierte recht öffentlich, die Kredite für Fahrzeugkäufe auf 36 Monate zu beschränken.

Langfristige Finanzierungen von bis zu 8 Jahren könnten bald der Vergangenheit angehören. Und bei maximal 3 Jahren Laufzeit schiessen die monatlichen Raten in die Höhe, so dass viele sich das begehrte Objekt dann nicht mehr leisten können. Bislang bieten Händler und Banken Laufzeiten von bis zu 100 Monaten an, was natürlich mehr Zinsen kostet, aber die monatliche Rate erheblich drückt.

Lange Laufzeiten für Finanzierungen ermöglichen vielen Brasilianern derzeit den Kauf eines Neuwagens (Grafik: bomconselho.com.br)Am heutigen Abend hat der Finanzminister das Projekt erst einmal auf Eis gelegt. Vielleicht auch deswegen, weil im ganzen Land die Kunden zu den Händlern strömten und noch schnell ihr Auto mit einer langen Laufzeit kaufen wollten. Einige Autohändler verzeichneten in den vergangenen Tage eine Verdopplung der Verkäufe – und immer über fünf oder mehr Jahre finanziert.

Natürlich zahlen die Käufer am Ende mehr. Für ein Auto im Wert von 25.000 Reais (Barpreis) zahlt der Konsument in drei Jahren 38.000 Reais und bei 6 Jahren Laufzeit 54.000 Reais. Bei kürzeren Laufzeiten steigen zudem die Zinsen. Zahlt ein stolzer Autobesitzer bei einer Finanzierung von 48 Monaten derzeit 326 R$, so sind es bei nur 36 Monaten Laufzeit gleich 392 Reais. Dies entspricht dann einer Zinserhöhung von 2 Prozent auf 2,95 Prozent im Monat.

Stellt sich die Frage, warum die Regierung eigentlich die Laufzeiten für Autokredite reglementieren will. Prinzipiell sollte die Regelung als Massnahme gegen eine Inflation verstanden werden. Die Regierung ist diesbezüglich mehr als besorgt. Da der Konsum in den vergangenen Jahren stetig angestiegen ist, haben die Menschen seit Jahren erstmals wieder grösseres Vertrauen in ihre Währung und gehen mit längeren Laufzeiten auch höhere Risiken ein. Und nie wurde soviel Geld seitens der Bürger aufgenommen wie im vergangenen Jahr – Tendenz steigend. Das Kreditvolumen hat sich sich von 2003 bis 2006 mehr als verdoppelt und dürfte derzeit bei rund 80 Milliarden Reais liegen. Falls es in den nächsten Jahren irgendwann zum wirtschaftlichen Crash und damit zu einer hohen Inflation kommen würde, wären viele Kreditnehmer nicht mehr in der Lage, die Raten zu zahlen, und dies würde die Krise noch verstärken. Negative Beispiele waren vor ein paar Jahren in Argentinien zu sehen oder nun aktuell im Immobilienbereich der USA.

Daher prüft derzeit das Finanzministerium Massnahmen „im Sinne des Verbrauchers“, wie z.B. die Verkürzung der Laufzeiten für KFZ-Finanzierungen. Eine andere Massnahme, um die Inflation niedrig zu halten, wird derzeit auch seitens der Kommission für Geldpolitik in Brasilien geprüft: Man würde gerne die Zinsen erhöhen um die Finanzierungslust der Brasilianer ein wenig zu dämpfen.