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Brasiliens Bäcker sind Terroristen

Veröffentlicht am 9. März 2010 - 18:31h unter Blogarchiv 2005-2012

Brasiliens Bäcker sind Terroristen! Dies zumindest behauptet im übertragenen Sinne der brasilianische Agrarminister Reinhold Stephanes. Grund des verbalen Ausrutschers scheint die Androhung einer Erhöhung des Brötchenpreises der nationalen Brotindustrie zu sein. Diese hatten einen Preisanstieg von 16% angekündigt, sollte die brasilianische Aussenhandelskammer an der am Montag bekannt gegebenen Erhöhung des Einfuhrzolls für US-Weizen von 10 auf 30 Prozent festhalten.

Brasilien hat nach jahrelangen Verhandlungen und nun erfolgter Genehmigung durch die Welthandelsorganisation für über 100 in den USA produzierten Produkte und Produktgruppen, die dort teilweise hoch vom Staat subventioniert werden, Strafzölle beim Import erhoben.

Für Stephanes ist die Androhung der Teigkneter wortwörtlich „Terrorismus“, so dass ja die Bäcker oder deren Dachorganisation „Terroristen“ sind, oder? Na gut, über Kleinigkeiten wollen wir jetzt nicht streiten. Lieber betrachten wir uns ein paar Fakten, auf die sich Stephanes bei seiner „Anschuldigung“ stützt:

  • Der Rohweizen macht bei der Herstellung der Brötchen zwischen 10 und 16 Prozent des Preises aus.
  • Der derzeitige Brötchenpreis liegt seit einiger Zeit stabil auf dem Niveau, wo die Tonne Weizen 750 R$ gekostet hatte. Jetzt kostet sie gerade einmal 450 R$.
  • Das Importvolumen aus den USA beträgt gerade einmal 4 Prozent der Gesamtmenge an importiertem Weizen in Brasilien. Importe aus anderen Ländern sind von den höheren Zöllen nicht betroffen.

Diese Zahlen lassen sich tatsächlich leicht mit ein bisschen Suche im Netz bestätigen. oder fragen Sie den Bäcker Ihres Vertrauens, sofern sie keine Angst haben, dass er Ihnen einen Brötchenbombe in die Tüte steckt.

Der brasilblogger ist daher auch ganz der Meinung eines Reinhold Stephanes: Eine Preiserhöhung für unser täglich Brot ist inakzeptabel!