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Kinder-Schuhputzer im Nordosten Brasiliens

Veröffentlicht am 1. Juni 2014 - 17:13h unter Perspektiven

kind-schuhputzer

Es ist ein verstörendes Bild: die Junge in den schmutzigen Klamotten kniet auf dem Bürgersteig, quetscht Schuhcreme auf eine Zahnbürste. Dann putzt er dem noch etwas jüngeren Mädchen, welches im Eingangsbereich eines Schuhgeschäftes sitzt, die Schuhe. Ein Kind profitiert von Kinderarbeit. Ereignet hat sich diese unglaubliche Szene in der Kleinstadt Picos im bitterarmen Bundesstaat Piauí im Nordosten Brasiliens.

Dort inmitten des schier unendlichen Sertão, einer kargen und über weitere Strecken des Jahres extrem trockene Savannenlandschaft, ist es aber nicht anders als in den großen Metropolen des Landes. Ausbeutung von Kindern als Sexobjekte oder Arbeitskräfte ist leider auch im 21. Jahrhundert noch immer Alltag in der siebtgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Die Polizei stand im vorliegenden Fall in Picos sogar nur wenige Meter entfernt und beobachtete die Szene ebenfalls. Aber was soll sie tun? Ihn verjagen und ihm die wenigen Centavos nicht gönnen? Er würde ohnehin wiederkommen. Er nutzt nur die Chance, etwas zu verdienen. Wollte man ihm wirklich helfen, müsste man sich um ihn kümmern. Daher trägt das Mädchen ebenfalls keine Schuld an der Situation. Ihre Centavos halten ihn vielleicht sogar vom Klauen oder Betteln ab.

Es ist eine verkehrte Welt in Brasilien, wo die Menschen oftmals einfach nur versuchen, zu überleben. Sie können sich wie in vielen anderen Ländern nicht auf den Staat verlassen. Dieser hat sie längst vergessen. Dies ist das allgegenwärtige und tatsächlich verstörende Bild in Brasilien.