Brasilien FotoBlog

Ein Mercadinho am Ende der Welt

Veröffentlicht am 29. Januar 2013 - 13:47h unter Perspektiven

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Adair blickt mich ein wenig schuldbewusst an. „Keine Mortadella mehr da. Aber ich kann dir Würstchen verkaufen, Eier habe ich auch da“. Ich stehe in einem winzigen Lädchen irgendwo auf einer Insel im Nordosten Brasiliens, hier gibt es nur das, was per Boot herbeigeschafft wurde. Und was von den rund 200 Inselbewohnern regelmässig gekauft wird. Schinken, Käse, Ketchup, Senf findet man hier nie und die paar Konserven, die auf den durchgebogenen Regalbrettern stehen, sind im Vergleich zum Festland sündhaft teuer.

Vier Stunden dauert die Fahrt mit einem Fischerkahn ins nächste Kaff, von dort kommen dann auch Bier, Cola, Toilettenpapier oder Tomatenmark im Glas auf die Insel. Und wenn etwas fehlt, dann dauert es schon einmal ein paar Tage, bis der Nachschub da ist. Der kleine Laden ist im Vorraum des Wohnhauses untergebracht, kein Schild deutet darauf hin. Wenn die Tür offen ist, kann man einkaufen. Ist sie verschlossen, hat man halt Pech gehabt.

Das Leben am scheinbaren Ende der Welt ist karg, die Produkte sind teuer und die Kundschaft ist fast immer klamm. Hier darf man noch anschreiben und eine altmodische Waage lässt fast nostalgische Gefühle aufkommen. Eigentlich ganz idyllisch, doch für einen Menschen aus der Großstadt ein wahrer Kulturschock. Dann sehnt man sich nach einem dieser riesigen Supermärkte mit endlosen Gängen und ein gigantischen Auswahl. Doch bis dahin muss man bei Adair eben das kaufen, was er gerade da hat.