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Die Panzerflucht der Zikade

Veröffentlicht am 10. Januar 2013 - 14:59h unter Perspektiven

zikade

Alljährlich bietet sich ein imposantes Schauspiel, wenn Zikaden nach mehreren Jahren unterirdischer Entwicklung an die Oberfläche kommen und sprichwörtlich ihren Panzer sprengen, um daraus zu flüchten. Dann erfüllen sie für wenige Wochen die Welt mit ihrem „Gesang“, der natürlich der Partnersuche dient. Nach der Reproduktion endet dann der Lebenszyklus dieses Pflanzensaugers, die Larven entwickeln sich dann wieder über mehrere Jahre tief im Boden versteckt, um es dann irgendwann ihren Eltern gleichzutun.

Ich habe das mehrstündige Schlüpfen einmal bei mir im Garten mit der Kamera begleitet und für das heutige Bild eine Aufnahme aus der Mitte des Prozesses ausgewählt. Die Zikade hat den Panzer bereits durchbrochen und ist halb befreit. Man sieht bereits deutlich den Saugrüssel auf der Unterseite, doch noch sind die Flügel und Beine im sichtlich viel zu engen Panzer eingeklemmt. Das Insekt ist derzeit vollkommen wehrlos, die gelben Augen mit den schwarzen Punkten scheinen daher auch mehr als ängstlich in die Kamera zu blicken.

Es ist die gefährlichste Zeit im Leben einer Zikade. Doch wenn niemand stört, dann wird alles gut. In Kürze wird sie bereits ihr Hinterteil und damit auch die Flügel im Freien haben, dann setzt sie sich nach dem kraftraubenden Prozess erst einmal auf den verlassenen Panzer. Hier verharrt sie gut eine Stunde regungslos, während ihre Flügel sich immer weiter ausbreiten und dabei trocknen. Ihre Farbe wird zudem von Minute zu Minute dunkler und passt sich immer mehr dem Baum an. Irgendwann klettert sie dann hoch ins schützende Geäst, erst später wird sie sich mit dicken Brummen in die Lüfte erheben und sich auf die Suche nach einem geeigneten Partner begeben.

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