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Die Langsamkeit des Verfalls

Veröffentlicht am 19. Januar 2013 - 01:00h unter Perspektiven

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Ist es heiss, stickig, schwül hier im historischen Zentrum von São Luis. Die Hauptstadt des Bundesstaates Maranhão hoch oben im Norden Brasilien lädt zwar durch ihre Kolonialbauten zu einem Spaziergang ein, das Klima jedoch lässt bereits nach wenigen Metern den Wunsch nach einer Einkehr in einen Biergarten oder klimatisierten Restaurant aufkommen. Während letzteres durchaus im Breich des möglichen liegt, kann man ersteres natürlich getrost vergessen.

Auch die Menschen, die hier leben, müssen sich mit dem tropischen Klima und Temperaturen jenseits von 35 Grad im Schatten abfinden. Sie suchen die Erfrischung allerdings auf den schmalen Bürgersteigen der engen Gassen, denn in den Hinterhöfen ist es vermutlich noch heisser, zudem gibt es dort rein gar nichts zu sehen. Das Leben verläuft langsam hier im Norden und die einstige Pracht portugiesischer Baukunst ist den Verfall schutzlos ausgeliefert.

Scheinbar fehlen Geld und Motivation, um die ehrwürdigen Gemäuer von Grund auf zu renovieren. Nur hie und da ist in den letzten Jahren die Stadtverwaltung aktiv geworden und versucht, das Viertel wieder etwas zu beleben. Doch wo nichts passiert, da sitzen jung und alt gemeinsam weiter auf der Straße und lassen die Zeit an sich vorüberfliessen. Regungslos wie die Wände in ihrem Rücken.