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Brasiliens Strippenzieher

Veröffentlicht am 12. Januar 2013 - 01:00h unter Perspektiven

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Hoch oben auf der Leiter steht er, ordentlich gesichert mit einem dicken Ledergurt und einem Helm auf dem Kopf. Die Sicherheitsschuhe haben festen Tritt, der Betonmast sieht massiv aus. Dem Arbeiter der Telefongesellschaft droht aber ganz andere Gefahr. Er soll ein neues Kabel verlegen, im Gewust der Leitungen anderer Anbieter. Und dies direkt neben den Stromzuleitungen für die anliegenden Häuser.

Hier oben in gut vier Meter Höhe sieht fast jedes Kabel gleich aus, kleine Verteilerkästchen der verschiedenen Anbieter rangeln um den begrenzten Platz. Zudem hat die Witterung den Schrauben und Befestigungen bereits mächtig zugesetzt. Noch zwei Kupferdrähte mehr müssen da nun untergebracht werden und vielleicht geht nächste Woche das Spiel von vorne los. Dann hat ein weiterer Haushalt in der Straße Telefon oder Internet bestellt und ein weiteres Kabel muss vom mehrere hundert Meter entfernten Verteilerkasten bis zur Dose im Haus gezogen werden.

„The last Mile“ – wie man diese Distanz genannt wird, ist Hohheitsgebiet von Brasiliens Strippenziehern. Irgendwie muss das Kabel da noch rein, durch oder drüber. Die Techniker kennen kein Paradon, denn im Hörer muss es am Ende tuten. Dass dabei versehentlich auch mal die Leitung eines anderen Kunden gekappt wird, ist eine andere Geschichte und soll ein anderes mal erzählt werden …