Brasilien FotoBlog

Saudade

Veröffentlicht am 23. Mai 2006 - 21:47h unter Blogarchiv 2005-2012

Schon viele gelehrte und weise Leute haben über Saudade geschrieben. Leute die sich mit Sicherheit besser ausdrücken können als ich es kann. Und die es aus dem Stehgreif besser, knapper und präziser definieren können.

Und doch denke ich, dass Saudade etwas ist, was man einmal erlebt haben muss. Viele meinen, Saudade sei Sehnsucht, Heimweh. Eine treffende Übersetzung gibt es jedoch meiner Meinung nach nicht. Denn Brasilianer empfinden einfach anders als Amerikaner oder Europäer. Und sie bezeichnen Saudade als etwas, was sie unbedingt wollen, jedoch derzeit nicht haben können, unerreichbar ist. Doch auch diese Definition hinkt. Ich kann es nicht erklären, ich weiss es einfach:

Ich habe auch manchmal Saudade. Und zwar nach meinem ganz persönlichen Brasilien, wenn ich irgendwo im AUsland bin. Saudade nach meiner Frau, meiner Tochter. Nach den Gepflogenheiten, der Sprache, dem Alltag. Nach den kleinen brasilianischen Gesten. Nach dem Geruch, dem Geschmack. Nach den unbeliebten Dingen. Nach den Ärgenissen. Und auch nach der Musik. Sie hört sich nirgends so schön an als in Brasilien selbst. An anderen Orten ist sie nicht authentisch, klingt künstlich, unecht. Es fehlt Paixão, Leidenschaft.

Es ist kein Heimweh, es ist keine Sehnsucht. Es ist Schmerz. Und er ist süß. Er sitzt tief und doch ist er so leicht, als könne er gleich entfliehen. Und er flüstert mir zu, dass er nicht von Dauer sein wird. Und doch will er mich die Zeit, die ihm bleibt, quälen. Und diese Qual vermittelt Hoffnung. Und die Gewissheit, dass nichts unendlich ist. Dass es sogar schon bald zu Ende ist. Dass man dann wieder mit dem, was einem fehlt vereint sein wird. Das Leben und die Leidenschaft Brasiliens erneut spüren wird. Glücklich ist.

Das ist für mich Saudade.