Röntgenabend
Ja, ich komme soeben aus dem Krankenhaus zurück. Ups, das hatten wir doch schon einmal heute. Aber keine Angst, dies ist keine Wiederholung. Und diesmal waren es gleich zwei Krankenhäuser.
Aber der Reihe nach. Jasmin macht die Tür zu. Wie immer mit Gewalt. Und da man dafür Kraft braucht und man das Gleichgewicht halten möchte, stützt man sich mit der rechten Hand im Türrahmen ab, und mit der linken haut man die Tür zu. Doch diese fällt nicht ins Schloss -- irgendwas bremst. Dieser kurze Moment der Stille, das Luftholen, wer kennt das nicht. Und dann erfüllt ein markerschütternder Schrei unser Haus. Endlos, bis man endlich mal schauen kann, was tatsächlich passiert ist. Und nachdem ich den Abdruck der Türblattkante auf der Hand meiner Tochter sah, beschloss ich, dies mal von einem Arzt ansehen zu lassen.
Und so bin ich wieder ins Krankenhaus. Jasmin, Vilma, ich -- hinein in die Notaufnahme unseres “Mini-Hospital” im Stadtteil. Nach einer Viertelstunde waren wir auch schon dran, die Hand schwoll nicht an und liess sich scheinbar noch schmerzfrei bewegen, aber bei 16 Monaten gehe ich lieber auf Nummer sicher. Und der Arzt wohl auch. Denn er schickte uns gleich zum Röntgen. Allerdings geht das (abends) nur im städtischen Krankenhaus im Zentrum. Aber zufällig musste ein Krankenwagen jemanden dort abholen und so sind wir mitgenommen worden. Dort angekommen, ging es wirklich fix. Voruntersuchung, Röntgen, Röntgenbild mit Arzt angucken -- alles okay. Kein Bruch, Motorik okay, anscheinend kein Druckschmerz, obwohl ein Stück Ringfinger schon einen fetten blauen Fleck hat und der Finger auch schon ein bisschen dick geworden ist. Jasmin hat wieder den Entzündungshemmer von heute morgen verschrieben bekommen, den holen wir dann an einem anderen Tag noch auf Vorrat. Mit der Empfehlung nochmals kurz vor dem Schlafengehen 10 Minuten Eis draufzupacken wurden wir wieder entlassen und sind erleichtert mit dem Bus zurück in unseren Stadtteil gefahren. Ich habe dann noch den Kinderwagen geholt, den ich zuvor im Mini-Hospital stehenlassen musste.
Was für ein Abend. Was für ein Tag. Krankenhaus morgens, Krankenhaus abends. Dazwischen eine quengelnde Jasmin, ein leckeres Mittagessen, gelungene Goiaba-Marmelade und ganz wenig PC-Arbeit. Und ein ziemlich spätes Abendessen. Jetzt schlafen meine Mädels und ich schreibe nur noch hier zu Ende und gehe dann auch in die Falle.
Denn Morgen früh geht es ja wieder weiter. Da muss ich Milch holen, Avocados zur Oma bringen, Osterdekoration kaufen und Antennenkabel besorgen. Danach dann Mittagessen kochen. Und die Avocados verarbeiten. Und ausnahmsweise alles mit Jasmin. Und mir der will ich auch noch ein bisschen spielen. Donnerstag hat Vilma frei. Das ist gut. Und wenn Jasmin sich ranhält -- heute hat sie schon wieder fleissig gefuttert und kein Fieber mehr -- dann kommt sie am Freitag wieder in den Kindergarten. Wenn nicht irgendetwas anderes dazwischen kommt.

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April 5th, 2006 at 01:15
Nichts gegen die Artzkünste (ich selber bin ja keiner), aber generell:
Mir erscheint, dass in Brasilien viel Wert auf Schmerzfreiheit gelegt wird. Kann das sein? eine Freundin kam einmal in Deutschland nieder, das andere Male in Brasilien. In Deutschland fluchte sie über die Gleichgültigkeit des Krankenpflegepersonal bei den Schmerzen, die sie verspürte. In Brasilien hatte sie kaum Schmerzen bei der Niederkunft. Als ihr Ehemann aber dann die Medikamente sich zur Ansicht geben ließ, die seine Frau erhielt, stellte er fest, dass seine Frau mit ziemlich vielen Schmerzblockern vollgepumpt worden war, mit Medikamenten, die in Deutschland nicht oder nur ungern verschrieben werden (wegen den Risiken und Nebenwirkungen).
Gerade Paracetamol, Dorflex und Aspirin sind ja die brasilianischen universale Schmerzmittel par excellence, obwohl deren Anwendungsgebiete fein säuberlich unterschieden werden sollten (wegen Risiken und Nebenwirkungen).
Ist das richtig? Hast du die Beobachtung auch gemacht?
April 5th, 2006 at 08:08
Da fehlen mir absolut die Vergleichsmöglichkeiten. Den einzigen Arzt, den ich selbst die letzten 10 Jahre besucht habe, ist der Zahnarzt. Und dies ist hüben und drüben genauso “schmerzfrei”. Wobei man hier sich noch die Zeit nimmt, länger zu warten, bis die Spritze richtig wirkt. Jasmin kam über Kaiserschnitt, da war Narkose angesagt. Wie man das dann in Deutschland macht, keine Ahnung.
Vielleicht achtet man hier mehr darauf, dass der Patient nicht leidet und weniger darauf, dass der Geldbeutel nicht leidet.
April 5th, 2006 at 19:06
Ja, das könnte schon sein. So jedenfalls krieg ich hier immer die Vergleiche zu hören, wenn Brasilianer die Erfahrungen mit der deutschen Medizin berichten …
Und nu: Nur die harten kommen in den Garten. Auf krank machen gilt nicht, digdigger. Ausser in physischer Notwehr … alles gute.
April 6th, 2006 at 18:33
Da bin ich aber froh,
das Jasmin
nicht wirklich Schlimmes passiert ist.
Es hat wehgetan,aber nun wird sie vorsichtiger sein