Brasilien FotoBlog

Plaft! Teim! Pam!

Veröffentlicht am 15. Februar 2006 - 01:18h unter Blogarchiv 2005-2012

„Plaft! Teim! Pam!“ So beschrieb der 76-jährige Justino Ferreira da Silva in Guarulhos das Geräusch, dass er gegen 23 Uhr am Montag abend aus dem Dach über sich hörte. Er sass vor dem Fernseher, als über ihm ein lauter Knall ertönte und Teile seiner Wohnzimmerdecke herunterfielen. Hindurch kam eine Art Bumerang mit 15 cm Durchmesser, flog kreuz und quer durch die Wohnung und blieb in der Küche liegen, in der sich gerade seine Frau befand. „Ein Wunder, dass niemand getroffen wurde“ erklärte er später gegenüber der Presse.

Zur gleichen Zeit brach nur wenige hundert Meter über ihm Panik aus. Passagiere einer Boing der Fluggesellschaft Varig von São Paulo nach Belo Horizonte hörten kurz nach dem Start einen lauten Knall und sahen einen Feuerschweif an einem Triebwerk. Man vermutete eine Explosion. Zusätzlich erlitt das Flugzeug einen Energieverlust und sackte etwa 10-15 Meter ab. In der abgedunkelten Kabine schrien die Leute „Wir stürzen ab, wir stürzen ab!“ wild durcheinander. Der Grund der Zwischenfalls war ein losgelöstes Teil des Triebwerkrotors. Und dieses Teil flog direkt in das Dach der Familie da Silva, durchschlug die Zimmerdecke und endet mit dem bereits beschriebenen „Plaft! Teim! Pam!“.

18 Minuten dauerte der Flug insgesamt, 5 Minuten davon wartete die Maschine auf der Startbahn. Der Pilot flog mit seinen 77 Passagieren direkt zum Flughafen Cumbica zurück. Die Maschine landete sicher und ohne Probleme. Die Fluggäste wurden in Hotels untergebracht und flogen heute mit anderen Maschinen in die Hauptstadt von Minas Gerais. „Wir hatten alle sehr viel Angst, da ja die Kabinenbeleuchtung ausgeschaltet war und alle wild durcheinander schrieen“ wird ein Fluggast zitiert. „Wir dachten alle, das ist das Ende!“

Der rüstige Rentner jedoch musste zeitgleich am Boden direkt das komische Objekt voller Neugier untersuchen und verbrannte sich dabei fast die Hände. „Es war sehr heiss und sah irgendwie verbrannt aus“ wird er heute zitiert, „und es wog etwa 1 Kilogramm“. Erst Stunden später ging er mit dem Fundobjekt aus seiner Küche zur Polizei und meldete den Vorfall. Das Teil des Rotorblattes ist nur zur Untersuchung bei der braslianischen Luftaufsichtsbehörde. Diese registrierte im vergangenen Jahr 39 Zwischen- bzw. Unfälle bei Inlandsflügen. Es war der niedrigste Wert seit 12 Jahren.

Justino Ferreira da Silva ist zufrieden und hat sich von dem Schrecken erholt. Und die für die Reparaturen beauftragte Firma hat inzwischen mitgeteilt, dass nicht nur der Schaden am Dach bezahlt wird, sondern dass auch sein Haus neu gestrichen wird.