Nackte Realität
6 Tage die Woche, jeden Tage 8 Stunden, von 7 Uhr morgens bis 4 Uhr nachmittags (1 Stunde Pause) … und zwar nach dem Schema 5 Tage arbeiten, 1 Tag frei … Wochenende inklusive … und am Monatsende bekommt man dann 276 R$ (ca. 110 Euro) ausbezahlt … bei ca. 25 Arbeitstage im Monat … Alltag in Brasilien …
P.S.: Ein kleines Häuschen mit 50m² Wohnfläche (App. sind noch teurer) kostet hier in unteren Preiskategorie mit Strom, Wasser und Gas etwa 300-350 R$ im Monat …

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April 2nd, 2006 at 11:33
Und nun stellt sich die Frage, wie der Arbeitgeber die Bezahlung dieses doch mehr als offensichtlichen Fulltime-Jobs durch einen Betrag unter dem gesetzlichen Mindestlohn rechtfertigt?
Oder ist das schon der Netto-Lohn nach Abzug von “plano de saude” etc.?
April 2nd, 2006 at 11:40
Dies ist Netto. Allerdings verursacht ein Job auch beim Angestellten Kosten. So sind dort Fahr-Tickets auch schon abgezogen. Dies ist das absolute Netto-Netto was man dann in der Tasche hat und für Miete/Essen/Kleidung ausgeben kann.
April 2nd, 2006 at 12:44
Hatte mir ja fast schon so etwas gedacht, denn bei meiner Frau wird auch erst alles abgezogen und dann gehen die Urubus anschließend immer über unserer Stadt in den Rückenflug, damit sie angesichts der verbleibenden Beträge nicht weinen müssen!
Ganz andere Sache – aber zu diesem Beitrag:
Dein Algorithmus für das Vorschlagen ähnlicher Links arbeitet wie?
Sieh dir doch mal an, was der vorschlägt:
“Ähnliche Einträge: » Straftaten beim Carnaval in Rio “
Finde ich lustig!
April 2nd, 2006 at 14:42
Über ne Keyword-Liste in der Datenbank. Naja, die Treffer stimmen ja meistens. Ausnahmen bestätigen halt die Regel.
April 3rd, 2006 at 07:42
Ab 01/04/06 ist der Mindestlohn ja auf 350 Real gestiegen. Wow !
Wohl dem der Wohneigentum besitzt. Ansonsten ist es wohl eher überleben als leben.
Fakt ist leider auch, daß die üblichen Mieten und der Mindestlohn identisch oder
höher sind
April 3rd, 2006 at 11:15
Ich denke, dieser Art des “Überlebenskampfes” kann man nicht entfliehen, egal wo auf diesem Globus.
Wenn ich mir ansehe, wie bei uns das Geld “verdunstet”…..
- Uni Stiefsohn: R$ 650/m
- Apartment Stiefsohn: R$ 700/m
- Taschengeld Stiefsohn: R$ 300/m
- Taschengeld Stieftochter: R$ 300/m (fängt dieses Jahr dann auch noch mit dem Studium an, aber Gott sei Dank hier vor Ort)
- Strom + Wasser + Telefon: R$ 300 – 350/m
Zum Glück ist das Haus, in dem wir wohnen unser Eigentum (ehemalige Schule) und fällt nur durch die Grundsteuer “zur Last”, sonst würde es manchmal verdammt eng werden! An ein Auto ist da nicht zu denken, so wird eben mit einem 50ccm-Motorroller herumgefahren und immer aufmerksam der Dollarkurs beobachtet, denn das Übersetzungsgeschäft wird in USD abgerechnet!
Da muss ich dann manchmal ganz schön strampeln, damit das reinkommt, was an Fixkosten jeden Monat fällig wird! So bleibt eben nur zwischendurch ein wenig Zeit für Blog und Co. (so wie jetzt, weil ich sowieso ins Internet musste um einen neuen Auftrag abzuholen)!
Und dann gibt es die Leute in gewissen Brasilienforen, die immer meinen, das Auswandern nach Brasilien müsse der Weg ins Schlaraffenland sein! Leute, die Realität sieht anders aus! Nur die Umgebung und das Wetter sind halt anders!
April 3rd, 2006 at 11:24
Wem sagst du das…. bei mir rennst du offene Türen ein. Ich versuche es ja immer zu vermitteln aber man glaubt mir ja “dort” meistens nicht …. egal. Jetzt schreibe ich ja hauptsächlich hier im Blog. Was ja auch falsch ist, da ich mich ja hier der Kritik entziehe. Hihi! Aber daran sieht man mal wieder, wie dumm einige dort sind …
300 Taschengeld ist viel zu viel. Oder bezahlen die davon auch Essen, Kleidung und Unterrichtsmaterial. Weil “Taschengeld” ist für mich Disco, Kneipe, Kino, etc …..
April 3rd, 2006 at 12:25
“Money makes the world go round” und nimmt kein Land der Erde aus. Kann nur zu-
stimmen was Brasilien angeht, die rosarote Brille von seinem Näßchen zu nehmen.
Wer nicht gerade reich von Beruf ist, sieht in Brasilien früher oder später ein
finanzielles Problem auf sich zukommen. Für die meisten kommt es dann zum
bösen Erwachen. Habe deshalb viele zurückommen sehen. Aber damit sowas
nicht passiert, dafür hat uns ja der liebe Gott den Verstand geschenkt
April 3rd, 2006 at 13:19
Also das “Taschengeld” ist für alles, was mit Kleidung, Nahrungsmittelkauf, Kino etc. zu tun hat, also kein “Taschengeld” im eigentlichen Sinne, sondern das, was hier “feira” genannt wird.
Hätte ich nicht durch meine Übersetzertätigkeit die Möglichkeit gehabt, global im Prinzip ortsunabhängig arbeiten zu können, hätte ich mir der Schritt, nach Brasilien zu gehen wohl
mehr als zweimal überlegt! Und wenn ich sehe, was die receita federal hier vom Verdienten einkassiert, da ist auch kein Unterschied zu Deutschland (bitte kein ABER, denn wir reden hier über die LEGALITÄT!)!
Und wer plant, hierher zu kommen, OHNE schon vorher die Gewissheit zu haben, entweder hier einen sicheren Job gewissermaßen “in der Tasche” zu haben, oder einen der wenigen Jobs “mitnehmen” kann, die sich als Freiberufler per Inet erledigen lassen (selbst beim Webdesigner ist es schon schwierig, von hier aus zu arbeiten, ohne persönliche Kommunikation mit dem Kunden zu haben), der MUSS EINPLANEN, dass nach dem Aufbrauchen des Ersparten entweder ein “low range” Lebensstil gefahren werden muss, oder die Rückkehr nach Europa unausweichlich wird.
Ein “Aussteigerland” ist Brasilien nun wirklich nicht (mehr). Auch eine Folge der Globalisierung!
April 4th, 2006 at 06:46
Ich würde das so pauschal nicht sagen. Brasilien kann noch eine Alternative sein,
wenn man 1. die Sprache spricht und 2. in Bezug auf seinen Lebenstil den Ball flach
hält. Und vor allen Dingen nicht daran festhält seinen europäischen Lebenstil auf
Brasilien übertragen zu müssen. Die Frage ist doch immer was genügt bzw. was
reicht mir zum Leben und bin ich bereit auch für 350 Real im Monat zu schufften.
Ich glaube sowas nennt man sich anpassen
April 21st, 2006 at 14:54
hi leute !
wovon lebst du in brasilien wenn ich fragen darf Digdigger ?
einen onlinejob zu haben find ich cool, aber sind deine Übersetzungssachen wirklich dauerhaft also stammkunden die regelmässig bei dir buchen, denn sonst kann man ja schwer kalkulieren bei diesen montl. Belastungen ?
ich frage mich immer wieder wie das die brasilianer hinbekommen mit diesen mindestlohn durchzukommen, schon klar die kaufen sogut wie alles auf raten und kredit aber irgendwann ist ja damit schluss, oder ?
ich denke ein job der übers internet geld bringt ist sicher das ideale, otrsunabhängig und selbstständig, der wolfgang besche hat doch in recife mit einer partnervermittlung soetwas geschaft und neu angefangen, wäre das ne idee ?
da ich selbst mit dem gedanke spiele mal auszuwandern, würde mich eurer “Überlebenskampf” in brasilien interessieren !
thomas
April 21st, 2006 at 20:55
@ Thomas:
Thomas, da verwechselst du etwas, denn das mit den Übersetzungen bin ich – Hebinho – und da kann ich dir nur sagen, dass der einzige Unsicherheitsfaktor der Wechselkurs USD – Real ist, denn die internationalen Geschäfte laufen halt mal nicht auf Real-Basis!
Nur als Beispiel: allein der Wechselkursunterschied der letzten 12 Monate macht bei mir inzwischen knapp 1200 Reais aus!
Und die Kunden sind einerseits Stammkunden, denen es egal ist, ob ich in Deutschland, Brasilien oder den Fidschi-Inseln sitze, solange die Abgabetermine eingehalten werden. Das Arbeitsaufkommen ist über die letzten Jahre gemittelt nicht nur in etwa gleich geblieben, sondern hat sogar noch zugenommen, denn es kommen laufend neue Kunden hinzu, so dass ich mir inzwischen mehr Gedanken darüber machen muss, ob es nicht besser wäre, langsam mit “Neuzugängen” zu bremsen, um nicht ganz dem Job zu verfallen!
April 21st, 2006 at 22:12
@Hebinho:
Schick halt was runter …
@Thomas:
Zu meiner Situation: Ich will es mal so ausdrücken. Eigentlich bin ich über den Auswandererstatus hinaus. Ich schlage mich hier halt durch, und vergleiche eigentlich die Lebensqualität nicht mehr mit Deutschland. Ich habe da inzwischen ganz andere Sichtweisen. Ich hoffe man merkt das auch in der Art, wie ich den Blog schreibe. Wenn nicht, werde ich mich verbessern müssen.
Überleben heisst halt auch, am 10. des Monats kein Geld mehr zu haben und (wie z.B. jetzt wieder geschehen), Medikamentem Windeln, etc. anschreiben zu lassen und von dem Grosseinkauf vom Monatsanfang zu leben und sich so bis zum Monatsende durchzuschlagen. Bei vernünftiger Planung klappt das sogar (ausser es kommt eben was dazwischen). Wie ein Brasilianer eben. Und ich verwehre mich halt einfach dagegen, nur weil ich einen deutschen Pass habe, hätte ich ja im Gegensatz zu den Brasilianern ja immer die Möglichkeit, nach Deutschland zu gehen. Theoretisch ist das zwar richtig, aber da a) ich es nicht will und b) es meine Frau nicht will, ist dies in keinster Hinsicht einen weiteren Gedanken wert. Ich lebe hier nämlich nicht auf Probe. Aber dies verstehen irgendwie die wenigsten oder ich kann es einfach nicht vernünftig erklären. Es ist auch ein sehr tiefgründiges Thema. Interessant ist immer zu beobachten, dass wenn ein Brasilianer so lebt wie ich, es vollkommen normal ist, aber wenn ein “Deutscher” das macht, im Auge des Betrachters irgendwie eine Mischung aus “Mitleidigkeit, Anstössigkeit, Verwunderung” auslöst. Weil ich es ja im Vergleich zum Brasilianer “besser gewohnt bin”. Aber auch damit kann ich zwischenzeitlich gut mit umgehen. Nun, ich will hier keinen Roman schreiben, daher lasse ich es jetzt gut sein. Grüsse, Dietmar
April 21st, 2006 at 23:05
Das mit dem “Runterschicken” ist so eine Sache, denn das meiste ist hochtechnisches Zeug (Bedienungs- und Wartungshandbücher, Online-Seminare für Kfz-Technik, Messgerätetechnik, Wasserentsalzungsanlagen, Schiffsdieselmotoren usw. Englisch->Deutsch bzw. Italienisch->Deutsch) und muss noch dazu mit CAT-Programmen (Computer-Aided Translation) wie Trados Workbench oder SDLX bearbeitet werden.
Ein bisschen Erfahrung gehört auch dazu (ich übersetze inzwischen seit 26 Jahren)
April 21st, 2006 at 23:12
Dann übersetze ich halt das Impressum. Erfahrung habe ich eigentlich nur bei Übersetzungen von paraguayischen Notarverträgen von spanisch -> deutsch. Die übersetze ich sogar so, dass man sie versteht. Die Übersetzungen, die wir dort damals von dem “vereidigten” Übersetzer bekommen hatten, konnte man nicht lesen, da Wort für Wort übersetzt. (teilweise konnte man dann den Inhalt verschieden interpretieren).