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Krankenhausplauderei

Veröffentlicht am 13. Februar 2006 - 13:49h unter Blogarchiv 2005-2012

Da ist Jasmin heute morgen also „verarztet“ und ich gehe mit ihr in den Vorraum zurück. Dort setze ich mich mit meiner Kleinen auf ein Stuhl und halte noch den Tupfer fest, damit kein Blut mehr kommt. Auf einmal werde ich von einer ca. 60-jährigen Frau 3 Stühle weiter angesprochen (den Dialog habe ich so aufgeschrieben, wie er ausgesprochen wurde):

Fr.: „Bist deitsch?“
Ich: „ja“
Fr.: „Unn wohis de da mai funde näne?“ (Wo ist die Mutter von der Kleinen?)
Ich: „Como?“ (Wie bitte?)
Fr.: „Wo is denn de mai von de neh-neh?“ (siehe oben)
Ich: „Die arbeitet!“
Fr.: guckt mich fragend an – ich merke sie hat nichts verstanden
Ich: „is schoffe!“
Fr.: „Aaah, schoffe!“

In dem Augenblick kommt ein etwa 70-jähriger Mann (vermutlich der Ehemann) aus dem Behandlungsraum und setzt sich zwischen uns.

Fr.: „Is deitsch!“ (zu dem Mann)
Mann: „Paraguay?“ (zu mir)
Fr.: „Neee, is deitsch wer mer“ (Ist Deutscher wie mir)
Ich: „Ich wohne hier, habe aber in Paraguay gelebt.“
Der Mann schaut mich zögerlich an und fragt sich, ob er mich nun verstanden hat oder nicht. Daher setzte ich schnell nach:
„Bin deitscher, han abba 3 jor long en paraguay gwohnt“ (für mich sehr schwierig als Mainzer, den Dialekt der Herrschaften nachzumachen, besonders nach 2 Sätzen. Das Problem ist jedoch, die verstehen kein Hochdeutsch und haben es vermutlich Jahrzehnte nicht gehört)
Mann: „Aaah, Para-gu-ai, wo-en-do?“
Ich: „Assun-zau“ (port. Aussprache für Asunción)
Mann: „Ah, Asun-zjon“

In diesem Moment lief Jasmin los und rettete mich aus der Situation. Das Gespräch war beendet. Es war übrigens das typische Hunsrücker Platt, welches sich entgengen dem heute im Hunsrück gesprochenen Dialekt nicht weiterentwickelt hat. Diese Leute sind Nachkommen deutscher Einwanderer. Sie sprechen „ihr“ Deutsch. Hochdeutsch verstehen sie nicht oder sehr schlecht. Ist sehr eigenartig für mich, da ich normalerweise meinen Dialekt hier gar nicht gebrauche und mit allen, die ein bisschen Deutsch können, sehr langsames und betontes Hochdeutsch rede. Doch mit den Gründern dieser Provinzstadt ist nur Portugiesisch oder Platt zu sprechen.

Die Eltern dieser Leute haben es gut gemeint, und ihren Kindern Deutsch beigebracht. Aber was für welches.