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Keine Milch für Kinder

Veröffentlicht am 10. März 2006 - 09:34h unter Blogarchiv 2005-2012

„Leite das Crianças“ ist ein Programm der Regierung des Bundesstaates Paraná. Es soll die Versorgung von Babies und Kleinkinder mit Milch in einkommenschwachen Familien sicherstellen. Dreimal wöchentlich kann diese Milch an vielen Stellen im Bundesstaat abgeholt werden. Dafür gibt es dann auch einen Ausweis. Dieser ist in der Regel auf den Namen der Mutter ausgestellt. Und damit gab es bis heute auch nie ein Problem.

Doch heute morgen stand an der Eingangstür der Abholstelle eine Frau vom Staat. Komplett in weiss gekleidet, blondiert, mit goldener Lesebrille und passender goldener Kette, goldene Ringe und bestimmt 5 goldene Armreifen plus goldenes Armband. Modisch passende Schuhe mit halbhohen Absätzen. Etwa 40 Jahre alt und modisch geschminkt. Europäischer Typ. Mit einem kleinen winzigen Handy am passenden Gürtelclip. Eine Kontrolleurin des Programmes. Und sie wollte diese Ausweise sehen.

Und dem Jungen vor mir standen die Tränen in den Augen. Er verstand die Welt nicht mehr. Seit Monaten holt er hier morgens die Milch für seine Geschwister. Und heute – vor dem Wochenende – sollte das nicht mehr funktionieren. Die nette Frau an der Ausgabe konnte auch nicht helfen. Sie kennt den Jungen, die Mutter, die Geschwister.

„Keine Milch für Kinder“ lautete die Devise des Kontrollorgans, welches so deplatziert hier seine Macht ausspielte. „Die Mutter muss die Milch holen oder eine von ihr autorisierte Person“ erklärte sie der Helferin vor Ort, „Da könnte ja jeder kommen!“ Und so ging der Junge heute ohne Milch nach Hause. Ob seine Mutter ihm glaubt, was er ihr erzählt?

Bei mir war es ähnlich, nur dass ich anscheinend alt genug bin um autorisiert zu werden. Nun soll ich am kommenden Montag mit allen Ausweispapieren dorthin kommen. Dann wir eine enstprechende Vollmacht ausgestellt, die meine Frau dann daheim unterschreibt. Aber höchstwahrscheinlich geht das nur, weil wir alle dort der Helferin bekannt sind. Sonst könnte da ja jeder kommen.

Eines war jedoch deutlich zu sehen. Die vielen Frauen und Kinder, die in der langen Schlange standen – meist in Shorts, T-Shirt und Havaianas – mochten diesen autoritären, arroganten Drachen noch weniger als ich. Vielleicht ist es gut, schärfere Kontrollen einzuführen, Missbrauch einzudämmen. Aber dann bitte mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl. Und nicht auf diese Art.

Ich habe meine Milch mitgenommen. Ohne Vollmacht. Da könnte ja jeder kommen.