Brasilien FotoBlog

Ja oder Nein?

Veröffentlicht am 23. Oktober 2005 - 20:47h unter Blogarchiv 2005-2012

Heute wurde ja bekanntlich hier in Brasilien über das Verbot zum Verkauf von Schusswaffen abgestimmt. Wie schon mehrfach berichtet gibt es hier eine Wahlpflicht, d.h. jeder muss hin. So auch meine Frau, obwohl wir gar keine Lust hatten. Es ist nämlich heute furchtbar heiss und das Wahllokal liegt am anderen Ende des Stadtteils, wo auch ihre Mutter wohnt.

Nun gut, haben wir uns gedacht, und laden uns gleich mit zum Mittagessen bei der Oma ein. Vorweg gesagt, es war wie immer lecker und reichhaltig. Doch danach hatten Vilma und ihre Mutter noch weniger Lust, wählen zu gehen. Und ich erst recht nicht, da die Sonne vom Himmel knallte und ich nichts wie nach Hause wollte. Doch irgendwie kann man seinen Weg so planen, dass das Wahllokal andeutungsweise auf dem Rückweg liegt – wenn man auch einen komischen Bogen laufen muss – und deshalb haben wir uns alle aufgerafft.

Ich muss hier ja nicht wählen, also war ich der Kinderwagen-Mann und Hoffotograf. Über 40 Bilder habe ich heute auf dem Weg durch unseren Stadtteil geschossen. Die meisten findet ihr inzwischen im Fotoalbum. Aber zurück zur Wahl. Hier geht alles elektronisch und idiotensicher. Es gibt nur Ja und Nein zur Auswahl und wenn man seine Stimme abgegeben hat, ertönt eine Melodie, die man schon die ganze Zeit im Fernsehen bei den Wahlsendungen hören konnte. Nun gut, das wäre geschafft. Es gibt übrigens auch keine Wahlbenachrichtigung, die man mitbringen muss, der Personalausweis genügt.

Der Ausgang der Wahl ist offen. Trotzdem glaubt so gut wie niemand daran, egal wie das Ergebnis ausfällt, dass sich etwas mit der Kriminalität hier im Land ändern wird. Viele halten dieses Referendum nur für ein Manöver, um von den wirklichen Problemen abzulenken.

Aber für den Wahltag sind auch spezielle Verordnungen in Kraft getreten. Kaum eine Kneipe hat offen, und wer offen hat, bestimmt nicht offiziell. Sonntägliche Tanz- und Sportveranstaltungen fallen aus, Alkohol darf meines Wissens nirgendwo verkauft werden. Man sah deshalb sehr, sehr viele Menschen – im Gegensatz zu normalen Sonntagen – vor ihren Häusern sitzen, grillen und sich das ein oder andere rechtzeitig besorgte Bier genehmigen. Recht haben sie, es ist schliesslich ein heisser Tag mit über 30 Grad.