Internet: Nachbar verkabelt
Mein Nachbar über mir hat nun auch Internet. Und zwar schneller als er gedacht hatte. Aber der Reihe nach:
Im Zuge der Avocado-Ernte und der Baumstutzungsmassnahme kamen wir bei ihm auf dem Grundstück ins Gespräch. Er hätte sich nun auch einen PC gekauft und hätte gerne Internet. Was ich denn für meines bezahlen würde. Als ich ihm erklärte, dass der Internetzugang zwar nur 55 R$ (ca. 22 Euro) monatlich kosten würde, jedoch das Equipment mit Mast, Antenne, Router, Kabel und Installation etwa 500 R$ (ca. 200 Euro), wurde er ganz blass um die Nase. Anscheinend hat er mir nicht so richtig geglaubt oder gemeint, mich falsch verstanden zu haben. Denn seine Frau fragte dann das Gleiche meine Frau nochmals 4 Stunden später, die dann wiederum mich fragte, da sie davon keinen blassen Schimmer hat. Und da kam mir die Idee.
Was er denn für einen Computer habe, wollte ich wissen. Einen IBM. Klasse, das half mir weiter. Also habe ich mal einen Blick draufgeworfen. Ein IBM ist es tatsächlich, mit einem K6-Prozessor und 32MB RAM, Windows 98 und 14″ Monitor, aber mit integrierter Netzwerkkarte. Zielgruppe: Gelegenheitssurfer, kein Filmesaugen, keine traffic-intensiven Anwendungen. Der klaut mir keine Bandbreite, dachte ich mir.
Gesamtbild per Klick! Das blaue Kabel zwischen den Häusern bringt das Internet zum Nachbarn. Im Hintergrund der Mast mit Internet- und TV-Antenne.
Also machte ich ihm folgenden Vorschlag: Er kauft ein CAT-5 Netzwerkkabel, welches wir dann von meinem Büro, wo ich einen SWITCH stehen habe, zu seinem Rechner legen. Und schon hat er Internet. 24 Stunden am Tag. Zahlen muss er dafür an mich 20 R$. Der Vorschlag wurde natürlich direkt angenommen, das Kabel besorgt und verlegt. Allerdings meinte mein Nachbar, die Stecker am Kabelende selbst montieren zu können, was erwartungsgemäss auch direkt misslang. Da musste er noch 2 Tage warten, bis ein befreundeter Techniker mit der Spezialzange kam und die Stecker ordentlich befestigte. Und dann funktionierte es auch sofort mit dem World-Wide-Web. Ich konnte mir bei der ganzen Aktion auch wieder etwas ins Gedächtnis zurückrufen. Wie man unter Windows 98 den Netzwerkzugang einrichtet. Auf portugiesisch natürlich.

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April 7th, 2006 at 14:17
Ui, das mag der Provider bestimmt nicht und da steht auch bestimmt was in deinem Vertrag drin. Aber man kanns ja mit einem ‘jeitinho’ rechtfertigen
April 7th, 2006 at 14:23
Hehe …
1.) Habe ich gar kein Vertrag
2.) Nutzt er eine mir zugewiesene 2. IP für meinen damaligen alten Rechner, den ich inzwischen verkauft habe.
Also alles im grünen Bereich!
April 9th, 2006 at 02:07
Das ist echte Nachbarhilfe! Es ist ihm geholfen, ohne dass es was kostet. Da habe ich schon andere Dinge gehört. Da musste einer dem Nachbar Strom abliefern. Der Nachbar war als agressiver Kleinkrimineller bekannt und der “Stromlieferant” hatte Angst “nein” zu sagen. Bezahlt hat der Nachbar den Strom dann natürlich nie.
Was mich bei Deiner Installation aber etwas unsicher macht: Ist das Kabel nicht gefährlich bei Gewitter???
April 9th, 2006 at 02:54
@Werner
Wenn du das blaue Netzwerkkabel meinst, Nein. Normalerweise ist bei Gewitter eh alles abgeschaltet und rausgezogen, da ich hier ja gar nix geerdet habe. Nicht den Antennenmast, die Stromleitungm die von der Bridge hier ins Office führt, noch der PC im Büro. Also Stecker ziehen. Und mein Nachbar wird sich hüten, seinen “kostbaren” PC bei Gewitter einzuschalten. Er hat ja noch nicht einmal einen Stabilizator. Und “Strom” kommt ja für seinen PC von ihm selbst.
Kosten tut es ihn 20 R$ im Monat. Das sind immerhin knapp 30 % meiner Flatrate-Kosten, die ich mir somit wieder reinhole. Gespart hat er eben die ganzen Installationskosten + Hardware und Antenne. Umsonst ist der Tod, der Rest muss auch ein bisschen was kosten, zumindest symbolisch.
@all
, das Kabel installiert, aber mein Nachbar wollte es jedoch anscheinend besonders günstig.
Nur um nochmal auf die Frage einzugehen, wie legal oder illegal das ist. Der Computerhändler ist ein 3 Mann-Unternehmen +2 selbst. Monteure, die die Installationen machen. Er deckt nun mittlerweile etwa 50% der Stadtfläche mit seinem WIFI ab. Ich war mit einer seiner ersten Kunden damals. Ich zahlte Cash, ein Jahr im Voraus, er installierte und ich habe eben 2 IPs bekommen, mit denen ich mich in sein Netz einloggen kann. Eine davon nutzt nun mein Nachbar. Ich wollte erst, dass mein Händler, der übrigens MARCOS THIELKE heisst
Aber ich weiss, dass er damit kein Problem hat. Habe ihm übrigens auch schon ein paar Kunden gebracht. Ausserdem sieht er ja direkt, dass ich wieder die 2. IP nutze. Er könnte es also sehr leicht nachprüfen. Nix jeitinho, nix schwarz, alles wie man es in der Provinz eben macht. Hand in Hand, miteinander und nicht gegeneinander.
Womit ich beim Thema wäre: Ich treffe hier immer wieder auf deutsche Tugenden, von den ich dachte, die seinen längst verloren gegangen. Hier werden sie gelebt. Nicht immer, und bestimmt nicht immer öfter, aber wenigstens gibt es sie noch ein wenig. Das ist doch schön, oder?
April 9th, 2006 at 03:01
ja aber auch wenn das Kabel ausgezogen ist… wenn der Blitz einschlägt kann der Funke dann immer noch so 1..2 Meter auf andere Gegenstände (und Menschen) überspringen…
Ich weiss das Kabel ist isoliert. Aber wenn es vom Regen nass ist wird es auch leiten.
Vielleicht fragst Du Dich mal ein wenig rum. Ich bin kein Blitzschutz-Experte. Aber mir selber würde das ein wenig Angst machen…. Meiner Tante ist hier in der Schweiz vor 25 Jahren während eines Gewitters der Telefonhörer in ihrer Hand während des Gesprächs weggeschmolzen…
April 9th, 2006 at 03:12
Das klingt dramatisch. Aber bei einem Blitzschlag wäre das CAT-5 das geringste Problem. Vorher fliegt mir dann hier alles (TV, Kühlschrank, etc) um die Ohren. Bei meiner einen (!!!) 40A – Sicherung im Vorgarten im verrosteten Zählergehäuse kein Wunder.
Hier ist nichts isoliert/geerdet. Ich kann noch nicht einmal die Glasscheibe von meinen Monitor anfassen, ohne ein paar “geschmissen” zu bekommen (wenn ich mit nackten Füssen auf dem Fussboden stehe) .. Kriechströme überall.
Aber normalerweise fällt eh immer bei Gewitter der Strom aus. Also alles easy.
Und immer diese Funken, wenn man einen Stecker in die Steckdose steckt. Werner, das ist Brasilien. Unvergleichlich.
April 9th, 2006 at 12:02
Werner,
das ist alles halb so dramatisch! Ich hatte Ende letzten Jahres ein Blitzeinschlag direkt in den Strommasten vor unserem Haus (also keine 10 m entfernt) und da ist von wegen “…wenn der Blitz einschlägt kann der Funke dann immer noch so 1..2 Meter auf andere Gegenstände (und Menschen) überspringen…” gar nichts passiert!
Einzelheiten siehe: http://vidabrasileira.blog.de/?tag=Blitzschlag
Weil die meisten Leute bei einem Gewitter alle Geräte eingesteckt lassen, aberfast immer ausschalten, wird auch keine Möglichkeit bestehen, dass ein voll einschlagender Blitz irgendwo eine freie “Luftstrecke” findet, um derartige Entfernungen zu überwinden. Als Dipl.-Ing.für E-Technik kann ich dir versichern, dass auch hier der Weg des “geringsten Widerstands” gefunden wird, d.h. der kleinsten Strecke, die der Hochspannung eine Entladung gegen Masse (physikalisch gesehen eigentlich in umgekehrter Richtung: von Masse (Erde) in Richtung Wolke) garantiert.
Nehmen wir den Fall des Netzwerkkabels setzen voraus, dass es perfekt gegen Masse isoliert beim Nachbarn im PC endet und der Nachbar den PC sogar ausgesteckt hat. Beim Einschlag kommt es zunächst einmal zu einer Ladungsverteilung (Dietmar/Nachbar) und nun die nächste Theorie: Dietmar hat auch alles Richtung Stromnetz ausgesteckt.
Was nun passiert ist eine “Flächenentladung”, die sich vom PC des Nachbarn aus über alle angeschlossenen Geräte (Monitor, Tastatur, Maus, Drucker usw.) wieder in Richtung der kürzesten Strecke gegen Masse bewegen wird. Wenn nun der Nachbar nicht gerade die gesamte Rechneranlage (mit o.a. Peripherie) auf 1m hohen Isoloatoren aufgebaut hat, wird alles, was sich in der Nähe befindet und Kontakt zur Masse hat, als Ziel der Entladung dienen. Und wenn der Nachbar zu dem Zeitpunkt nicht gerade den PC umarmt oder mit dem Kopf auf der Tastatur liegend schläft, passiert ihm garnichts. In der Regel stehen die Rechner entweder direkt auf dem Boden, dann gibt es eine kräftige Entladung vom Gehäuse zum Boden, oder etwas erhöht (10-15 cm bis zum Boden), dann findet die Entladung bereits weit VOR dem PC statt, nämlich an jener Stelle, wo das Kat-5-Kabel die Hauswand des Nachbarn kreuzt, denn 10-15 cm Luft sind schwerer zu überwinden, als 1cm quer durch die Kabelisolierung zur Hauswand!
EIne Faustregel ist: um 1mm Luft zu durchschlagen, sind etwa 3kV erforderlich, aber bevor 20mm Luft durchschlagen werden (rund 50-60kV) wird 1mm Isolierung überwunden! Zum Vergleich: die Nachbeschleunigungsspannung (“Hochspannung”) im Farb-TV liegt i.d.R. bei etwa 25-35kV.
Also keine Panik! Auch Blitze folgen nur den bekannten Regeln der Physik mit allem was dazugehört (vom Ohmschen Gesetz bis hin zur Plasmatechnik).
April 9th, 2006 at 12:07
Danke für die Ausführungen! Das leutet mir ein. Dann kann ich jetzt ja beruhigt schlafen.