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Entschädigung für Stromausfall

Veröffentlicht am 2. Dezember 2005 - 19:24h unter Blogarchiv 2005-2012

Vielleicht lebe ich schon zu lange nicht mehr in Deutschland, und vielleicht hat sich meine Einstellung zu Lebensqualität auch verändert, denn wenn ich solche Sätze nun bezüglich den Unannehmlichkeiten in den Nachrichten lesen muss, kann ich nur noch den Kopf schütteln:

… Der Bund der Energieverbraucher hat unterdessen eine Protestaktion mit Briefen im Internet gestartet, um eine umfassende Entschädigung vor allem für private Opfer des Stromausfalls durchzusetzen. 250.000 Menschen seien tagelang ohne Strom gewesen, sie hätten sehr viel gelitten, teilte der Bund der Energieverbraucher am Freitag mit. Die Organisation vertritt die Ansicht, der Stromversorger RWE müsse für die entstandenen Schäden aufkommen. Schneefall im November sei keine Naturkatastrophe, sagte Vorsitzender Aribert Peters.

Eine Schätzung des bei den Privatleuten entstandenen materiellen Schadens konnte Peters nicht abgeben. Einige hätten sich Notausrüstung wie Kerzen und Gaskocher kaufen müssen, anderen sei der Inhalt der Gefriertruhe verdorben. „Vielleicht ist auch das eine oder andere Haustier verendet“, sagte Peters. …

Quelle: http://www.n-tv.de/609032.html, Hervorhebungen durch mich!

Nachfolgend meine persönliche, individuelle Meinung dazu. Ich freue mich auf eine lebhafte und kontroverse Diskussion!

Höhere Gewalt scheint es in einem Industriestaat wie Deutschland nicht mehr zu geben. Die Menschen haben wohl ein Grundrecht auf Stromversorgung, und wenn der Strom ohne 7-tägige vorherige Ankündigung ausfällt, hat man Anspruch auf Schadensersatz. Und dies wird dann von einer Kommission geprüft. Eventuell gibt der Netzbetreiber dann auch die Kosten wieder weiter, z.B. an den Hersteller der Masten oder der Kabel. Ein Beweissicherungsverfahren läuft, es geht wie immer um viel Geld. Es darf sich mal wieder jahrelang darum gestritten werden, on Schnee im November normal ist oder nicht.

Und der arme Verbraucher?

Er ist das Opfer und ihm widerfährt Leid! Für die zwei Begriffe hätte ich gerne mal von Herrn Peters seine Definititon. Die gleichen Sätze durfte ich nämlich nach Hurrikan Katrina und dem Erdbeben im Iran lesen ….

Aber zurück zu den leidenden, deutschen Opfern:

  • Oma Krause, die sehr gelitten hat, reicht dann also die Aldi-Quittung für eine Packung Kerzen samt Streichhölzer ein.
  • Onkel Hans, dessen preisgekrönter Wellensichtich erfroren ist, will die Bestattungskosten zurück und natürlich einen Neuen.
  • Hausfrau Gertrud hat es nicht geschafft, ihre Lebensmittel aus der abtauenden Tiefkühltruhe auf die im Dauerfrost liegende Fensterbank zu schaffen und verlangt 3 Hähnchen, 4 Packungen Spinat und die angebrochene 1-Liter-Langnese-Eisbox erstattet zu bekommen.
  • Und Klaus-Dieter hat in seinem Schrebergarten die ganze restliche Holzkohle von letzten Sommer, die er ja nächsten Sommer für sein legendäres Grillfest verwenden wollte, aufbrauchen müssen, ja sogar sein Camping-Gaskocher ist leer, der schon 12 Plattensee-Einsätze hinter sich hatte, und will nun logischerweise auch Ersatz.

So ist das in der hochgelobten 1. Welt. Da exisiert ein Standard, der nicht unterschritten werden darf. Und wenn doch, gibts Schelte von allen Seiten. Die Verantwortung wird ja den Bürgern insoweit abgenommen, da sie ja ordentlich für den „Service“ zahlen müssen. Dann darf man ja auch „Service“ erwarten. Sich mit so einer aussergewöhnlichen Situation auseinander zu setzen und selbst Lösungen zu such und auch zu finden, übersteigt die inzwischen genetisch veranlagte Bequemlichkeit wohl doch zu sehr.

Oder die Menschen sind so dermassen auf einzelne Dinge wie Strom angewiesen, und ihr Leben ist so darauf ausgerichtet, dass sie elendig vor der toten Steckdose erfrieren oder verhungern würden.

Strom ist auch für mich wichtig – keine Frage. Und ich ärgere mich auch, wenn er ausfällt. Aber dann ist das kein Weltuntergang. Dann wird wie jedesmal improvisiert. Doch dies scheint man in Deutschland verlernt zu haben.

Eines habe ich noch vergessen:

  • Tina, 18 Jahre, fordert von RTL, die letzten Folgen von GZSZ zu wiederholen, weil irgendwie ihr Fernseher nicht funktioniert hat. Warum genau, hat sie in ihren Degenerierten-Foren nicht rausbekommen können. Denn der Computer hat auch irgendwie gesponnen.

Letztendlich ist jedoch eines sicher: Wenn RWE zahlt, zahlen alle. Irgendwie fallen die Kosten immer zurück auf die Konsumenten. Dann zahlen halt die Gemeinschaft für benutzte Kerzen, entsorgte Tiefkühlhähnchen und wiederbeschaffte Holzkohle. Und somit dürfen dann auch alle im nächsten Jahr wieder jammern, dass alles wieder soviel teuerer geworden ist.

P.S.: Wenn ich meiner Frau und meinen Nachbarn, wie in den letzten Tagen geschehen, hiervon erzähle, ernte ich nur Kopfschütteln oder ungläubiges Staunen. Deren Meinung ist kurzgefasst, um es wie Obelix auszudrücken: „Die spinnen, die Deutschen!