Brasilien FotoBlog

Der fast schon vergessene Besuch (Teil 1)

Veröffentlicht am 19. Januar 2006 - 16:47h unter Blogarchiv 2005-2012

Herrje! Da schreibt man und schreibt man, und vergisst dabei das Wesentliche! Ich habe euch ja noch gar nicht von dem Besuch Anfang des Jahres berichtet. Dies will ich heute, an diesem hässlichen Regentag nun einmal ausführlich nachholen. Damit die Beiträge aber nicht so lange werden, bekommt ihr das alles häppchenweise. Vorabinfos gab es damals HIER!

1. TEIL: DIE ANKUNFT

Es war einmal … ja, es war Montag, der 02. Januar 2006 gegen 18 Uhr als der Bus mit Vincent nach Toledo einfuhr. Ich wusste aus seiner Mail wann er ankommen würde und wollte ihn am Busbahnhof abholen. Nun war ich spät dran, und konnte es unmöglich pünktlich zum Busbahnhof schaffen. Also dachte ich mir: „Schneide ihm den Weg ab!“. Dem Bus natürlich. Ich ging nun flugs dorthin, wo zwar keine Haltestelle zu sehen ist, wo der Bus aber trotzdem immer hält. Dies sind nur 10 Minuten Fussmarsch von mir daheim weg. Dort wollte ich nun Vincent abholen. Nun steigt man hier bei den Bussen meist hinten ein, wo der Kassierer sitzt und geht dann durch ein Drehkreuz nach vorne und steigt auch vorne aus. Soweit verstanden? Alles klar. Der Bus kommt also an diesen imaginären Punkt und hält. Klar ist, das Vincent auf den Busbahnhof wartete und nicht gerade irgendwo an irgendeiner Haltestelle auf mich.

Ich hüpfe also vorne in den Bus rein, quetsche mich an aussteigenden Passagieren vorbei und werde logischerweise vom Fahrer aufgefordert hinten einzusteigen. Ich erkläre ihm, dass ich einen Deutschen suche, der in Ceú Azul eingestiegen sei und den ich hier abholen wolle. Und brülle direkt mal ein „VINCENT“ durch den Bus. Der übervolle Bus, das ganze Gang ist voller Leute, sieht mich an. Aber ansonsten keine Reaktion. Der Fahrer sagt, er hätte einen Argentinier mit Rucksack in Ceú Azul einsteigen sehen, ob der das wäre. Darauf ich: „Ja, der kommt aus Argentinien, spricht kaum portugiesisch, der muss es sein!“ „VINCENT!“ Wir stehen immer noch an der Haltestelle, wohlgemerkt. Endlich eine Reaktion. Ein Lockenkopf mit eindeutig heller Haut schaut aus der vorletzten Reihe nach vorne und einige seiner Sitznachbarn zeigen auf ihn. Gefunden! Er sass allerdings noch vor dem Drehkreuz, d.h. in den letzten 3 Reihen, die für Rentner (ab 65 Jahre ist die Fahrt kostenlos und diese Leute passieren nicht das Drehkreuz) und Leute mit viel Gepäck vorgesehen sind.

Vincent wollte hinten aussteigen, es sass ja fast direkt an der Tür, durfte aber nicht. Er musste zuerst das Drehkreuz passieren, sich durch den ganzen vollgestellten Gang quetschen, sein Ticket beim Fahrer vorzeigen, damit dieser überprüfen konnte, ob er auch sein Ticket bis nach Toledo gelöst hatte und dann durfte er endlich aussteigen. Der Busfahrer lachte nochmal, winkte und fuhr davon. Aufenthalt an der „Haltestelle“: 3-4 Minuten. Kein Murren, kein Beschweren, keine Ungeduld. „Se Deus quizer“ … wenn Gott will, dass dieser verrückte Deutsche quer durch den Bus brüllt um einen anderen Deutschen zu finden, dann ist das eben so. Galt für für Fahrer und Passagiere gleichermassen. Typisch brasilianisch!

Vincent war also in Toledo angekommen! Wir verstanden uns auf anhieb und quatschten die Viertelstunde, die wir bis zu mir nach Hause brauchten über die Fahrt, Foz do Iguaçu, seinen Urlaub und mein Leben. Natürlich nur ansatzweise. Und als wir um 18.27 Uhr in meine Strasse einbogen, sah ich ein Auto vor meinen Haus stehen, ein mir fremder Mann schlenderte so hin und her und eine Dose Bier stand auf dem Dach des Autos. Ich wertete dies als gutes Zeichen! Oliver aus Santa Catarina war ebenfalls angekommen!