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Das grosse Weihnachtsfest und das Ende der Doppelschicht

Veröffentlicht am 27. Dezember 2007 - 10:53h unter Blogarchiv 2005-2012

Nach Heiligabend ging es am 1. (und einzigen) Weihnachtsfeiertag zu Vilmas Onkel und Tante zum Feiern. Es gab Churrasco satt, von 11 Uhr morgens bis 22 Uhr nachts. Dann war das Fleisch und die Holzkohle alle und da viele ja wieder am Mittwoch arbeiten mussten, auch die Party vorbei.

Doh zuvor wurde geschätzt, gelacht, wurden unzählige Witze gerissen und dazwischen immer wieder mit Bier, Caipirinha oder Pinga-Cola angestossen. Mehr als eine Flasche Cachaça wurde dabei vernichtet. Aber durch das leckere Essen waren dann die Auswirkungen doch nicht ganz so schlimm.

Am Abend fing es dann an zu regnen, eine willkommene Abkühlung nach dem langen Tag. In einer Regenpause bin ich dann mit Jasmin die vier Strassen nach Haus gelaufen und habe auf Vilma gewartet, die ja eigentlich gegen 23 Uhr eintreffen sollte. Doch daraus wurde nichts, und ich wurde langsam stinkesauer.

Als ich dann um Mitternacht anrief, waren sie dort alle noch am arbeiten und mir platzte endgültig die Hutschnur. Ein paar Sätze durchs Telefon an den „Aufsichtshabenden“ (weil der Chef natürlich nicht zugegen war) und kurz darauf war Vilma daheim. Wäre nicht ein Kollege mit dem Auto da gewesen, hätte sie ein Taxi nehmen müssen, denn um die Uhrzeit fahren ja keine Busse mehr, aber das ist der Firma ja egal. Gearbeitet hat sie also am 1. Weihnachtsfeiertag von 06.45 Uhr morgens bis um 0:10 Uhr. Und musste am Folgetag erneut um 7 Uhr morgens antanzen.

Letztendlich verstösst dies auch gegen das Gesetz. 11 Stunden Pause sind zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn gesetzlich vorgeschrieben und glücklicherweise war dieser Abend auch der Tropfen, der das Fass für Vilma zum überlaufen brachte. Sie ist also gestern zu ihrem Chef und hat ihm mitgeteilt, dass sie wohl aufhören wird. Erst darauf kam dann grosse Bewegung ist die Sache, es gab eine Sitzung mit den Mitarbeitern und das Ende vom Lied ist, dass nun keine Doppelschicht mehr gefahren wird. Denn Kollegen hatten ebenfalls angedeutet, diese Arbeitsbedingungen so nicht mehr zu akzeptieren und die von meiner Frau informierte Gewerkschaft hatte anscheinend auch schon nachgefragt. Nur weil die Firma zu faul oder zu geizig ist, für solche Tage Aushilfskräfte einzustellen, soll unser Familienleben darunter leiden? Wohl kaum.

Und so konnten wir uns gestern zumindest ab 16 Uhr noch einen gemütlichen (virtuellen) zweiten Weihnachtsfeiertag machen. Mit Weihnachtsbaum, Musik und leckerem Essen. Es geht halt doch, wenn man nur will.

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