Brasilien FotoBlog

Brasilien: Tanzabend mit „Küssen verboten“

Veröffentlicht am 3. November 2009 - 11:46h unter Blogarchiv 2005-2012

Man muss sich das mal vorstellen: Man geht auf eine Tanzveranstaltung und kommt sich vor wie ein Klosterschüler beim Abschlussball. Nur dass alle Teilnehmer längst erwachsen sind. Und dieses bei einer Musik, zu der eigentlich sehr sinnlich getanzt wird: dem Forró. Der Lambada ist übrigens ein Erbstück dieser brasilianischen Stilrichtung, damit man sich das ein wenig besser vorstellen kann.

Also zum Kernpunkt der Geschichte: In Laranjal im Bundesstaat Minas Gerais wird regelmässig ein solcher Tanzabend veranstaltet und mit strengen Auflagen für die Besucher versehen. So müssen alle Gäste mindestens 25 Jahre alt sein und zudem muss eine strikte Kleiderordung eingehalten werden. Keine Caps, Badeschlappen oder T-Shirts bei den Männern, keine kurzen Hosen, Tops oder Minikleider sind erlaubt. Aber damit nicht genug. Auch das Küssen auf dem Mund (‚beijar na boca‘) ist strengstens verboten. Zudem darf weder betrunken noch mit der Zigarette in der Hand getanzt werden.

Und trotzdem ist die Halle gerammelt voll. Sogar von auswärts kommen Besucher mit Omnibussen angerauscht, auf dem Parkplatz finden sich regelmässig zahlreiche Autos mit ortsfremden Kennzeichen. Trotz der vielen Einschränkungen. Denn wer sich nicht an die Regeln hält, fliegt hochkantig raus. Beim ersten Kuss gibt es zunächst von den Sittenwächtern den Hinweis auf das aufgehängte Verbotsschild, beim zweiten Mal die letzte Ermahnung. Beim dritten Mal wird man dann diskret zum Verlassen der Veranstaltung aufgefordert.

Die Tanzwütigen können mit den Regeln anscheinend gut leben. Die Veranstaltung existiert inzwischen bereits seit 6 Jahren und erfreut sich trotz oder vielleicht auch aufgrund der strengen „Auflagen“ weiterhin grosser Beliebtheit. Und wenn einen doch die brasilianische Leidenschaft überkommt? Dann geht man einfach zum Knutschen nach draussen.

Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)