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Brasilien macht Weg für Internet aus der Steckdose (PLC) frei

Veröffentlicht am 28. August 2009 - 17:54h unter Blogarchiv 2005-2012

plc-brasilIn Brasilien ist der Weg für das Internet aus der Steckdose frei. Eine entsprechende Verordnung wurde am heutigen Freitag (28.08.) im brasilianischen Amtsblatt veröffentlicht und erlangte damit Rechtsgültigkeit. Überwacht werden die neuen Servicedienste von der nationalen Energiebehörde Aneel. Schon vor mehreren Wochen hatte die staatliche Telekommunikationsbehörde Anatel grünes Licht für den Datenstrom im Elektrizitätsnetz des Landes gegeben.

Somit dürften bereits in wenigen Monaten in Brasilien die ersten schnellen Internetverbindungen via Trägerfrequenzanlage (TFA) in Betrieb gehen. Hierbei wird eine jede Steckdose im Haushalt, in die ein entsprechendes Modem eingesteckt wird, zum Verteilerpunkt für das PLC (Power Line Communications) genannte Breitband-Internet. Auch wenn sich besonders in Europa das System kaum durchgesetzt hat und zahlreiche Negativpunkte umfasst (langsame Geschwindigkeit, Störsignale, Abhörsicherheit), in Brasilien könnte das Internet aus der Steckdose einen wichtigen Beitrag zur digitalen Vernetzung leisten.

So zumindest sehen es die Experten der Aneel, die darauf verweisen, dass 95 Prozent der brasilianischen Bevölkerung ans Stromnetz angeschlossen ist und somit die Infrastruktur in dem Land mit kontinentalen Ausmassen praktisch schon geschaffen sei. 63 Gesellschaften und 24 Kooperativen liefern derzeit Energie an 63,9 Millionen Haushalte und gewerbliche Verbraucher im ganzen Land. Die Erlöse aus den Datenverbindungen im E-Netz sollen nach den optimistischen Planungen der Verantwortlichen zukünftig die Stromkosten der Verbraucher senken und zudem den Wettbewerb anregen, um die Kommunikationskosten ebenfalls zu verringern. Das DSL aus der Steckdose genannte PLC stehe damit in direkter Konkurrenz zu mobilem Internet (3G, WAP, WLAN), Internet via Kabel und Telefon (DSL, analoge Einwahl).

Die brasilianischen Internetanbieter haben nun 60 Tage Gelegenheit, bei den Stromgesellschaften ihr Interesse an dem neuen Service anzumelden. Eine Entscheidung, ob ein Zuschlag erfolgt, muss innerhalb von 90 Tagen nach Antragstellung erfolgen. Abgelehnt werden kann ein Bewerber, wenn Bedenken bezüglich einer ausreichenden Kapazität oder der Sicherheit bestehen. Die Versorger wiederum müssen gegenüber der obersten Energiebehörde sicherstellen, das PLC keinesfalls die Qualität der Stromversorgung und die Sicherheit der Installationen beeinträchtigt und durch die Realisierung keinerlei Umweltauflagen verletzt werden.