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Wichtige Nachrichten aus Brasilien

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  • Brasilien ist … immer nur mein Brasilien

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    Veröffentlicht: 24. März 2007 um 19:46h | Aktualisiert: 24. März 2007 um 19:46h
    Abgelegt unter: Brasilblog Intern | Gelesen: 530 · heute: 2

    Nein, bei mir wachsen keine Palmen am Strassenrand. Auch den Strand kann ich von meiner Terrasse nicht sehen. Salzige Meerluft weht niemals kühlend über unser kleines Grundstück und Samba höre ich nur, wenn ich selbst die CD in die Stereoanlage einlege. Carnaval läuft maximal im Fernsehen und selbst die grünen Kokusnüsse gibt es nur ein paar Mal bei uns im Supermarkt. Die Klischees Brasilien sucht man daher bei mir vergeblich.

    Und doch lebe ich in diesem riesigen Land voller Gegensätze. Irgendwo da unten, an einem kleinen Zipfel, welcher auf einer Landkarte dargestellt, Millimeterarbeit bedeutet. Von dort aus sind es nur ein paar Zentimeter in die grossen Metropolen. Ein paar Zentimeter, die Busfahrten von Berlin nach Mailand bedeuten. Ein paar Zentimeter, die einem Flug von Frankfurt nach Mallorca gleichkommen. Und da geht es gerade einmal von West nach Ost. Lasst uns daher bitte nicht von Breitengraden reden. Auch ich kenne „das Brasilien“ nur aus Erzählungen, Fernsehen, Internet. Ich kenne nur „mein Brasilien“.

    Ein Brasilien voller Emotionen, voller Hoffnung, voller Verzweiflung. Ein Brasilien, welches zugleich Untergang und Aufstieg bedeutet. Menschen, die sich manchmal vergessen fühlen, aber nie vergessen können, ein Teil eines Volkes zu sein, welches der Zukunft stets positiv entgegenblickt. Sie sind wie ein Kolibri, der auf der Suche nach blühenden Landschaften durch meinen Garten fliegt. Jede Störung bedeutet Flucht. Jede Flucht beschreitet pfeilschnell neue Wege. Neue Wege bedeuten Anpassung. Anpassung bedeutet Überleben.

    Überleben. Die Angst des eigenen Versagens zu überwinden. Das Vertrauen in sich und seine Familie zu besitzen, dass bei dem richtigen Glauben – ob nun religiöser Natur oder nicht – sich in der Zukunft der Schlüssel zur Vergangenheit befindet. Denn man lebt Heute. Und dieses ist bekanntlich Morgen Vergangenheit. Und die Fehler der Gegenwart, die man intuitiv macht, um die Intensität des eigenen Daseins zu spüren, müssen eben morgen, übermorgen und in den Wochen oder Monaten danach ausgebügelt werden.

    Spiessige Deutsche nennen so etwas oftmals Leichtsinnigkeit. Sie unterstellen dann, dass Brasilianer dumm und ungebildet sind, nicht an die Zukunft denken und vor allem nicht mit der Geissel unserer Zeit, dem Geld umgehen können. Soll ich nun behaupten, dass sie dieses Geld in Gänze lieber an einem Abend intensiv geniessen als es häppchenweise wie der zivilisierte Mitteleuropäer auszugeben? Soll ich es wagen, darauf zu bestehen, dass es besser ist, lieber einmal im Monat richtig besoffen zu sein als jede Woche zweimal halb nüchtern? Wo liegt denn nun die ultimative Wahrheit? Wo der Respekt vor den Entscheidungen anderer? Wer mag und vor allem wer darf darüber urteilen?

    Unglaublich aber wahr. Sie überleben. Mit dem einen ultimativen Fest, welches vielleicht noch Wochen danach abbezahlt wird. Doch es war es wert. Was haben sie denn sonst? Sie haben vielleicht eine Arbeit, aber Freizeit kennen sie nicht. Sie kennen Zeit, in der sie nicht arbeiten. Sie kennen sogar Urlaub, wobei sie meist nicht wissen, was sie nun anstellen sollen. Denn Hobbies kosten Geld. Sie werden somit wie die anderen Abende sonst auch auf dem Bürgersteig sitzen und sich mit den Nachbarn unterhalten. Bis es dunkel wird und die weltumspannende Fernsehunterhaltung naht. Denn für eine Reise ist kein Geld da. Und ausserdem ist morgen schliesslich wieder ein neuer Tag.

    Ein Tag, an dem hier abermals keine Palmen am Strassenrand wachsen. Ein Tag, der erneut jegliches Brasilienklischee in Frage stellt. Ein Tag, an dem mir abermals Menschen voller Hoffnung begegnen werden. Menschen, die ihre Verzweiflung vielleicht bereits hinter der aufgehenden Sonne versteckt haben und trotzdem eine Zuversicht ausstrahlen, die mir das Herz öffnet. Ich mag diese Menschen. Es sind die Menschen in “meinem Brasilien”. Sie sind nicht einfach zu verstehen, obwohl sie oftmals einfach sind. Es sind Menschen, die keinen Caipirinha trinken und Sand nur von den Bauarbeiten an ihrem Haus kennen. Menschen, die lieber ein Kilo Bohnen als eine grüne Kokusnuss kaufen. Und die dann und wann sogar Samba hören. Aber nur, wenn die Musik von meinem Haus aus über die Strasse weht.

    (Ich habe diesen Artikel ursprünglich für ein Forum geschrieben, möchte ihn aber den ‘brasilblog’-Lesern nicht vorenthalten. Natürlich mit der Bitte um Diskussion.)

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  • 5 Kommentare
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    1. “Überleben… Das Vertrauen in sich und seine Familie zu besitzen, dass bei dem richtigen Glauben…sich in der Zukunft der Schlüssel zur Vergangenheit befindet.”

      oi digger,

      da hast du was verwechselt!

      den eintritt in die zukunft verschafft dir die vergangenheit.

      ich kann ja verstehen, dass du dich, jung, wie du noch bist, assimilieren willst.

      du wirst dennoch “dein brasilien”immer nur vor dem hintergrund deiner deutschen vergangenheit erleben und erfahren.

      wenn du etwa schreibst:

      “Ich mag diese Menschen. Es sind die Menschen in ‘meinem Brasilien’”

      dann magst du die menschen, die in dein weltbild “passen”.

      junge, kräftige menschen, die tagsüber an der copa betteln oder stehlen und nachts in den strassen rios schlafen, magst du sicher nicht, mögen sie nun in “deinem” brasilien leben oder nicht.

      du kannst auf dauer brasilien nur dann positiv erfahren, wenn du dich immer und jederzeit vor dir selbst zu deiner vergangenheit bekennst!

      alles andere ist - zum scheitern verurteilter - selbstbetrug.

      verzeih mir die deutlichen worte.

      um abraço

      DiterRio

    2. Hallo Diter,

      ich charakterisiere dabei aber weniger mich als meine Umwelt. Meinen “Migrationshintrgrund” werde ich schon nicht vergessen.

      Dass die Hoffnung auf ein besseres “Morgen” das “Heute” beeinflusst, welches eben am Folgetag bereits die “Vergangenheit” darstellt … dieser Lebenskreis ist nun einmal existent, egal ob er von den Menschen bewusst und rational so gelebt wird oder nicht.

      Ich spreche ja bewusst von “meinem Brasilien”, also meinen Erfahrungen in meinem Mikrokosmos in der Provinz. Und auch nur von den Menschen, die HIER leben. Ich dachte, dass wäre in der Einleitung klar geworden.

      Ich spreche nicht von dem Brasilien mit seinen unzähligen Facetten. Nicht von den Erlebnissen und Erfahrungen anderer Menschen an anderen Orten. “Mein Brasilien” ist hier …

      Vielleicht ist es ein Selbstbetrug, wenn ich die schrecklichen Meldungen aus anderen Regionen Brasilien aus “meinem Brasilien” ausklammere. Sie sind weit weg. Es scheint ein anderes Land zu sein, eine andere Welt. Es ist aber nicht “mein Brasilien”, auch wenn es in denselben politischen Grenzen liegt.

      Prinzipiell wollte ich aber zum Ausdruck bringen, dass Brasilien für jeden einzelnen etwas anderes ist. Man muss sich nicht wiederfinden können in meinem Bericht, ihn nur als Einzelmeinung akzeptieren können.

      Grüsse aus “meinem Brasilien”

      Dietmar

    3. Hallo Ihr Beiden!

      Ich persönlich finde es völlig OK, wenn Dietmar seine Eindrücke für die Leser publiziert. Er hat ja auch mit keiner Silbe behauptet, dass es keine anderen Lebenseindrücke von ausländischen Personen in Brasilien gibt. Nimmt man zum Beispiel mich als Beobachter dieses Landes, befinde ich mich doch noch mehr oder weniger in der Position, des Urlaubers – hier gibt es wirklich reichlich Strand, Sonne, Palmen usw. – also erfülle ich derzeit das Klischee des typischen ausländischen Beobachters, Brasiliens. Das ist für mich aber derzeit auch völlig in Ordnung, da ich mich in diesem riesigen Land erst noch orientiere – ich weiß noch nicht einmal, wo ich am Ende des Jahres in Brasilien leben werde. Daher lese ich auch gerne die Berichte aus der „Provinz“. Sauge diese Eindrücke auf und lasse diese, in meine Zukunftsentscheidungen mit einfließen lassen.

      Dietmar, mach weiter so……

      Ein „Nochurlauber“

      Gerd

    4. Ich hatte den Text heute erst vollständig im Forum gelesen. Es gab ja darauf solche und solche Kommentare. Manche verständlich, aber manche gnadenlos verkopft. Dein Text beschreib ich mit dem knallweichen Wort “Emotio”, andere würde schlichtweg ganz unprosaisch “Liebeserklärung” dazu schreiben. Ein anderer dreisilbiger Quadratschädel jenes Forums hat es auf seine eigene so gerühmte RATIO gebracht und zeigt eigentlich eher das kalte Herz (was macht der eigentlich noch in Brasilien? Bei den garimpeiros Gold schürfen, um an seinem Labtop an den Lotstellen Zinn hinzubringen?!? …).
      Du hattest beim Skypen so scherzhaft erwähnt wie du dich hin und wieder bezeichnest, und ich hab das da so lapidar mit BLÖD-Anleihen weggeputzt. Das war falsch und dumm.
      Du bist sowohl journalistischer Chronist als auch verfolgender Medienberichterstatter (auch wenn das letztere einen anderen Begriff verlangt, der mir aber wieder solche dummen lapidaren Kommentare auf die Lippen befördert … manche bezeichnen sich ja hin und wieder so scherzhaft, sind es aber ernsthafter als mancher dahergelaufener Laptopbeistzer mit Anschluss an eine verbildende Redaktion) …. Du bist auf deinem Weg zum Ziel weiter gekommen, als manche Maulhelden dieser Tage.
      Meine Meinung. Nur meine.

    5. @Gerd
      Keine Angst, ich mach weiter und zwar so wie bisher. Damit bin ich gut gefahren. Schön, auch dich als treuen Leser zu haben.

      @Careca
      Reg dich nicht über Dinge auf, über die ich mich schon gar nicht mehr aufrege. Und glaube mir, ich erwarte solche Reaktionen. Die gibt es immer. Aber ich poste nicht für die, ich poste für die anderen. Das mancher, der meine Eintellung nicht versteht, dies auch liest, kann und will ich gar nicht verhindern. Und deswegen werde ich z.B. meinen Artikel im Forum auch nicht kommentieren. Wenn er dem ein oder anderen Freude bereitet hat oder es sich sogar damit (teilweise) identifizieren kann, finde ich das schon sehr schön. Und meine persönliche dort und hier publizierte Meinung steht über den anderen. Da bin ich ganz Egoist.

      Euch beiden liebe Grüsse aus Toledo,
      Dietmar

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