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Wichtige Nachrichten aus Brasilien

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  • Der Lärm nach dem Spiel

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    Veröffentlicht: 19. Juni 2006 um 08:40h | Aktualisiert: 7. Januar 2007 um 03:43h
    Abgelegt unter: Panorama | Gelesen: 672 · heute: 2

    Nabend liebe Leut von heut,

    jetzt wieder exquisit exklusiv und ohne heimliche Hemmungen das letzte von gestern aufgeschnappt von Harry Hirsch.

    Man muss sich vorstellen, dass es der brasilianischen Seleção endgültig gereicht hat, permanent in der Nähe der besten Fans zu sein. Nicht jeder will permanent von Kölner Jecken umgeben sein. Also bestachen sie die FIFA und erhielten als Belohnung ein Spiel in der Allianz Arena zu Mün …

    Was? Ich muss wieder zahlen? Es heisst jetzt FIFA WM Stadion? Ja, Heilandssack! Scheiss Journalistenkodex! Wenns schee macht … Okay, hier ist der 50 Euro Schein. Digdigger zahlt mir eh pro Report das Doppelte der Hälfte des letzten WM-Reporter-Gehalts, so dass ich es mir eh logger leisten kann …

    Also. Nichts im Beutel, aber weit kommen wollen!

    Nein, ich red jetzt nicht über die Kanguruh-Land-Einwohner sondern über den Österreicher, der auf einer bayrischen Strasse den italienisch-österreichischen Bär JJ1, jetzt liebevoll BRUNO genannt, angefahren haben wollte. Sein niegelnagelneuer Golf hatte den Bären seitlich erwischt. Der Autofahrer und das weite Bärenland. Und das verdammte männliche Luder von freilaufender Bär hatte noch nicht einmal einen Büschel Bärenhaare oder eine Beule im Golf hinterlassen. Aber dafür sollte der Bär offenbar den Seitenspiegel eingeschlagen haben. Genau in der Position, in der Münchener in engen Strassen ihre Seitenspiegel sowieso einschlagen, damit nicht andere Nasenbären dreist dran vorbeischrammen. Und die Presse hat den Golf fotografiert mitsamt den nicht vorhandenen Beulen und Schrammen. Und als Beweis, dass der Bär den Golf gerammt hat, hat der Fahrer den Seitenspiegel nochmals so eingeschlagen wie …

    Wie bitte? Nochmals 50 Euro? Wegen Thema verfehlt?

    Neeee. Das stimmt nicht! Das mit dem Bären und den Brasilianern hat schon nen Zusammenhang. Denn die Brasilianer hier singen alle schon fleissig über des Bären Patenstadt: ” Berlim, Berlim, espera pelo Brasil!” und das im Singsang-Tonfall der Deutschen, die jetzt auch schon alle fleissig ihr “Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin” alkoholschwanger vor sich hinträllern.

    Es mag zwar einige eingefleischte Brasilienfans schmerzen, aber die Deutschen haben Recht: Am 20. sind die Deutschen schon in Berlin und niemand wird sie dran hindern. Die FIFA will es so. Der fromme Wunsch deutscher Fans auf der Strasse wurde schon damals eingeplant: Am 20. gegen Ecuador. Aber Brasilien. Die waren bekanntlich schon in Berlin und haben mir meine Fingernägel mit deren Kroatenfreundlichkeit gekostet.

    Ich mein, nichts gegen Kroatien. Aber müssen sich die Australier so aufführen wie die Kroaten?!? Unglaublich. Die weigerten sich doch glatt, das eigene Tor aufzumachen. Schlimmer noch, die wollten ja auch dreisterweise noch ein paar schiessen. Häresie! Nachdem jetzt meine Finger nagelfrei sind, und die Blutungen gestillt, kann ich ja jetzt ein wenig zu der Zeit danach (nach dem Spiel) schreiben.

    Kein Jubeln auf der Strasse, kein lautstarkes Knallen in der Nachbarschaft.

    Ganz Toledo in der Hand von Jubel-Verweigerern? Nein, nicht ganz Toledo. Ein kleines Häuschen in Toledo widersetzt sich der Missmutigkeit und jubelt trotzdem. Und schlägt damit die virtuelle Brücke zu dem jubelnden fröhlichen Street-Ravern in einer bekannten Ansiedlung von Dörfern um der bayrischen Staatskanzlei herum.

    Brasilien hat gewonnen. Zwei Tore gemacht und die Kangurus ins Hotel zum Ruhen geschickt. Und was macht danach der Mob? Er blockiert die Champs-Elysées von München, stimmt mit den Füssen ab, was das Zeug hält. Füllt die U-Bahnen und säuft fröhlich alloholisches. Und was macht die Polizei dagegen? Die lächelt. Und sie trägt zu Feier des Tages auch einfach mal gelb-grün. Okay, es ist eher beige-olivgrün, aber das kommt der brasilianischen Stimmung schon recht nahe.

    Tja, und als Impression ein Jubel-Video, aufgenommen vor der brasilianischen Kneipe Kalango. Ich komm übrigens auch drin vor, aber das ist recht unwichtig, muss ja nicht jeder wissen, was ich so trinke, wenn ich beruflich tätig bin.

    Und überall ein Strassenblockierer origineller geschmickt und gekleidet als der andere. Fröhlicher sowieso.

    Und futternd standen dann auch noch welche dabei. Nur, hat es jemand bemerkt, dass eben jene brasilianische Pasteis vom Kalango vor Fett nur so troffen, nachdem man sie angebissen hatte? Welch Verschwendung! Mit dem Fett eines Pasteis hätte man bei McDonalds (”Ich liebe es”) noch ne Portion Pommes frittiert. Oder der Caipi. Verbesserungsmöglichkeit auf besserem Niveau war eindeutig vorhanden. Und dann die Shrimpsküchle, da wo die Shrimps noch munter in der rohen Teigmasse gastierten.

    Aber fröhlich waren alle. Schliesslich hat Brasilien erstens gewonnen und zweitens nicht jeder die Spezialitäten vom Kalango gekostet.

    Nun, das war’s von hier, frisch vom Klo. Ich gebe gerade den Rest des Fettes der Pasteis von mir. Welche Verschwendung … wenn ich dran denke, dass McD mit dem Fett …

    Die Krankenschwester meinte gerade auch noch, ich bräuchte Ruhe und sollte erstmal aufhören zu schreiben. Okay, sie hat dabei so nett gelächelt. Ich tu’s. Drum bis zum nächsten Mal von der Trophäenjagd hier in Bayern, wenn es wieder heisst: “Entweder Bruno, den Bären, oder den Weltpokal woanders”

    röhrt euch eins
    Euer Harry Hirsch

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