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  • Eine Weihnachtsgeschichte aus São Paulo

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    Veröffentlicht: 27. Dezember 2005 um 16:44h | Aktualisiert: 27. Dezember 2005 um 16:44h
    Abgelegt unter: Panorama | Gelesen: 662 · heute: 3

    Unsere Geschichte beginnt am 19. Dezember und hat sich in der Millionenstadt São Paulo zugetragen. An diesem Tag, um die Mittagszeit, macht sich der 9-jährige Tiago auf den Weg, seinem Vater das Mittagessen auf die Arbeitsstelle zu bringen. Er kommt nicht zurück.

    Hier enden die meisten Geschichten. Wenn sie überhaupt jemals zu einer Geschichte werden. So etwas passiert einfach zu häufig, als das es die breite Öffentlichkeit interessieren könnte. Doch in unserem Fall geht die Geschichte weiter. Der Vater suchte unermüdlich seinen Sohn Tag und Nacht, die Nachbarn verteilten Flugblätter, zündeten Kerzen vor dem Elternhaus an und beteten gemeinsam für das Wohlergehen des kleinen Tiago. Doch nichts half. Der Junge blieb spurlos verschunden.

    Am Weihnachtssonntag war der Vater wie die vorangegangenen Tage auf der Suche nach Tiago. Er war am verzweifeln und hatte die Hoffung fast aufgegeben. Unermüdlich rief er nach seinem Sohn. Und auf einmal hörte er ihn. Eine schwache Stimme, kraftlos, aber eindeutig Tiago. Dieser hatte seinen Vater gehört und versuchte sich bemerkbar zu machen. Mit Erfolg!

    Sechs Tage nach seinem Verschwinden wurde Tiago gefunden. Er war in einem Industriegebiet in ein 20 Meter tiefes Loch gefallen, dass unglücklicherweise so lange unentdeckt blieb, da es fast vollständig zugewachsen war. Dort unten gefangen, harrte der kleine Tiago aus, trank Regenwasser und wartete auf die erlösende Befreiung.

    Sein Vater alarmierte direkt die Feuerwehr, die den Jungen aus dem schwer zugänglichen Loch befreite. Entkräftet und wie durch ein Wunder nur mit ein paar Prellungen versehen wurde Tiago ins Krankenhaus gebracht, wo er derzeit noch unter Beobachtung steht und wieder aufgepäppelt wird. Seine ersten Worte nach der Befreiung waren „Papa, hast du ein Weihnachtsgeschenk für mich? Hast du was zu essen?“

    Sein Vater hat aus seine ganz persönliche Lehre aus dieser Geschichte gezogen: „Man darf niemals die Hoffnung aufgeben, dass er hier irgendwo steckt!“ Und seine Mutter möchte mit dem kleinen Tiago zur Kathedrale der Schutzheiligen Brasiliens pilgern und ihr für die Rettung ihres Sohnes danken. Für die Eltern konnte der Weihnachtstag nicht schöner sein.

    An diesem Punkt endet unsere Geschichte vom „Weihnachtswunder in São Paulo“. Tiago und seine 10 Geschwister werden, nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, Weihnachten nachfeiern. Es wird wohl das schönste, unvergesslichste Fest seines Lebens werden.

    Doch dies ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden …

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